Thema:Sozialbewegung

Insel der Menschenrechte

Was haben Menschenrechte mit einem Volksfest á la Donauinselfest zu tun? Warum sollen Weltmusik, Rock und Literatur unter praller Sonne - inmitten schwitzender Bierseligkeit gehört werden?

Programm-Folder (pdf, 612 KB), Offizielle Website Donauinselfest

Auf obige Frage gibt es keine Antwort. Aber die Menschenrechte versuchen genau das unter einen Hut zu kriegen: Sie sind die Vereinbarung, dass es gut ist, wenn jede/r tut und lässt, was er/sie will – solange die anderen beim tun und lassen nicht behindert werden.

Wir sind anders als wir

Auf der Insel der Menschenrechte wollen wir noch mehr: Nicht nur ein Nebeneinander musikalischer Stile, sondern ein Zueinander unter dem Motto „Wir sind anders als wir“:

Freitag: Pop vs. Alternative

Freitags lassen wir die Bereiche Pop und Alternative aufeinanderprallen. Pop ist von jeher ein Massenphänomen wohingegen „Alternative“ die Antithese dazu darstellt, eine Verweigerungshaltung gegenüber dem Pop-Diskurs, wie sie beispielsweise kPunkt glaubhaft vermitteln.

Die Bands haben eines gemein: Sie bringen ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Mainstream mit den Mitteln des Mainstream zum Ausdruck: Killed by 9Volt Batteries etwa brechen in ihren Strukturen klassische Popsongs stilistisch durch Grenzgänge in Arrangement und Sounds jenseits eines massenkompatiblen Formats und irritieren so durch ein Aufeinanderprallen von „Schönem“ und „Hässlichem“ – was auch immer das ist.

Samstag: Est vs. West

Am Samstag wird eine Musik, die in den östlichen Staaten Europas „Pop“, also populär und Mainstream ist, hierzulande aber als weltmusikalisches – und derzeit sehr angesagtes – Kulturerbe missverstanden wird, mit verschiedenen Spielarten der Popularmusik des Westens verwoben: So treffen bei Chowalski Russische Folklore und Klezmer auf Industrial oder bei Maja Osojnik slowenische Volkslieder auf die Avantgarde der Wiener Jazzszene.

Sonntag: JedeR vs. JedeN

Sonntag sind bekannte KünstlerInnen aus dem Wiener Umfeld angehalten, mit zugewanderten KollegInnen ein für diesen Tag spezielles Programm zu gestalten, das sich im Wesentlichen abseits ihrer normalen musikalischen Ausrichtung bewegen soll.

Improvisation und Sessions zwischen Musikern unterschiedlicher stilistischer wie geografischer Herkunft wie z.B. die Wiener Monomania und Helio D aus Mozambique sind daher ein integraler Bestandteil dieses Tages.

Stilbruch trotz Durcheinander

Zwischen den Showblöcken auf der großen Bühne finden im Cocktailzelt – hallo Stilbruch – Lesungen statt: Carola Kilga, Georg Horvath und ein gewisser Austrofred sowie ein sonntäglicher Poetryslam werden die hochgesteckten Ziele der Menschenrechtsbühne sicher nicht untergraben.

Stile und musikalische Versatzstücke aus dem alltäglichen Kultur-Kontext herausgerissen und in ein neues Umfeld gestellt soll eine Dehnung der musikalischen und geschmacklichen Grenzen der ZuhörerInnen evozieren. Sollten sich ZuhörerInnen dadurch in ihrem individuellen Geschmack bestätigt oder verstört fühlen, kann uns das gleich sein. Wichtig ist, dass ein bewusster Wahrnehmungsprozess jenseits der simplen Unterhaltungsmaschine „Donauinselfest“ in Gang gesetzt wird.

Nicht einfach zum Nachdenken

Das Zueinander verschiedener musikalischer Zugänge wird die Grenzen in Richtung kultureller Diversität - wenn schon nicht sprengen - zumindest a bisserl strapazieren. Wer allerdings glaubt, dass wir hier Musik zum Nachdenken programmiert haben, könnte falscher nicht liegen: Die Party wird nicht ausgebremst. Es wird gerockt. Schließlich wollen auch wir unseren Spaß dort haben.

Herwig Bauer, Georg Hübner, Philipp Sonderegger



 
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