Thema:Demokratie und Recht

Wer will die Wende?

Nach seinem Wiedereinstieg in den Polizeidienst 1994 geriet der nunmehrige Journalist Walter Egon Glöckel durch Zufall an ein bedenklich scheinendes Zeitungsinserat mit dem Wortlaut: "Wer will die Wende?". Ausgangspunkt für verdeckte Ermittlungen gegen rechte Netzwerke.

Website von Walter Egon Glöckel

Im Eigenverlag hat der Aufdecker-Journalist Walter Egon Glöckel die Ergebnisse seine Undercover-Recherchen im Ewiggestrigen-Milieu publiziert. Rund 8 Jahre nach dem Ende seiner Tätigkeiten während der Zeit der Briefbombenattentate.

"Wer will die Wende?" wurde noch vor der schwarz-blauen Wende publiziert. Dass die damalige Chiffre für die politischen Projekte Rechtsextremer sich nun als Bezeichnung der Transformation des politischen Systems Österreichs wiederfindet, unterstreicht die Hauptthese Glöckels:

Als Exekutivbeamter direkt vom damaligen Chef der Staatspolizei mit geheimen Ermittlungen beauftragt, habe er Verflechtungen zwischen Rechtsextremen und dem Behördenapparat des Innenministeriums aufdecken können. Vorbei an Freiheitlichen Freundeskreisen, die sich über die AUF gewerkschaftlich organisierten. Deshalb sei er durch eine Intrige aus dem Spiel genommen worden.

Leider wird das schmale Werk - es ist auch als Internetausgabe erhältlich - den Erwartungen nicht gerecht. Dramaturgisch nicht viel mehr als die Aneinanderreihung von Dokumenten und erläuternden Notizen, enden die Ermittlungen dort, wo sie über Information hinaus gehen, die auch eifrigen ZeitungsleserInnen damals wie heute zur Verfügung stehen. Es gelingt dem Autor nicht plausibel darzustellen, dass die Brisanz seiner Erkenntnisse Grund für ein Verschwörung gegen ihn gewesen sein sollen.

Glöckel dokumentiert Scheinkäufe von NS-Devotionalen, teilnehmende Beobachtung bei Burschenschafter-Treffen sowie bei Lesekreisen der "Jungen Freiheit". Die entscheidende Frage bleibt aber weitgehend unbeanwortet: Die Verbindungen von rechtsextremer Szene und Innenministerium wird nur als Aussage eines "Kameraden" widergegeben, es säßen zwei Gesinnungsgenossen bei den Fremdenbehörden. Hier enden die Recherchen, weil der Beamte vom Dienst suspendiert wird.

Man kann an eine Verschwörung glauben oder nicht. Erstaunlich ist auf jeden Fall der offensichtliche Informationsmangel der Behörden über Vorgänge bei öffentlich auftretenden Burschenschaften. Interessant auch die Behauptung Glöckels eine Gruppierung habe ihm eine Million Schilling für Information geboten, die geeignet wären "Jörg Haider von der politsichen Bühne zu katapultieren". Leider bleibt offen, um wen es sich hier handelte.

Philipp Sonderegger



 
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