Ein Augenblick Freiheit - Drei Filme fürs Bleiben
[Dokumentation] Am Mittwoch, den 10. Dezember 2008 zeigt SOS Mitmensch im Rahmen der Kinoreihe Drei Filme fürs Bleiben den Film einen Augenblick Freiheit von Arash T. Riahi. Der 10. Dezember 2008 ist der internationale Tag der Menschenrechte.
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Sondervorstellung - Preview
Im Rahmen der Kinoreihe Drei Filme fürs Bleiben von SOS Mitmensch.- Datum: Mittwoch, 10. Dezember 2008. Beginn: 20:00 Uhr.
- Ort: Gartenbaukino, Parkring 12, 1010 Wien.
Zum Film
Tempo- und ereignisreich erzählt „Ein Augenblick Freiheit“ von der Odyssee dreier iranisch/kurdischer Flüchtlingsgruppen: einem Ehepaar, zwei jungen Männern mit zwei Kindern und einem ungleichen, befreundeten Männerpaar.Sie flüchten aus dem Iran und dem Irak und landen in der türkischen Hauptstadt, wo sie, die Freiheit vor Augen, in einem wenig vertrauenswürdigen Hotel tagtäglich auf den positiven Bescheid ihrer Asylanträge warten. Hoffnung und zugleich Ungewissheit charakterisieren diese erzwungene Pause auf dem Weg in ihre Unabhängigkeit. Der junge österreichisch-iranische Filmemacher Arash T. Riahi setzt die Flucht und das eigentümliche Zwischenstadium der Asylwerbenden mit tragischer Komik und enormer Spannung in Szene.
Synopsis
Ali (Navid Akhavan) und sein Freund Merdad (Pourya Mahyari) riskieren ihr Leben, um Alis Nichte Azy (Elika Bozorgi) und seinen Neffen Arman (Sina Saba) aus dem Iran in den Westen zu schmuggeln und dann nach Wien zu bringen, wo die Eltern der beiden Kinder (Michael Niavarani, Toufan Manoutcheri) politisches Asyl gefunden haben.Nach einer atemberaubenden Flucht quer durch den Iran und einer lebensgefährlichen Wanderung über die schneebedeckten Berge an der Westgrenze landen sie endlich in der Türkei.
Auch das Ehepaar Lale (Behi Djanati Ataï) und Hassan (Payam Madjlessi) nimmt mit ihrem Sohn Kian (Kamran Rad) den beschwerlichen Weg über die Berge. Von einem betrügerischen Schlepper hinters Licht geführt, entgehen die drei nur um Haaresbreite ihrer Verhaftung und schaffen mit knapper Not den Weg über die Grenze. Doch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist durch Zweifel getrübt. Hätte man nicht besser in der Heimat um eine Verbesserung der Situation kämpfen sollen? Ist die Flucht nicht auch ein Verrat an all den Menschen, die man zurücklässt?
Zusammen mit anderen iranischen Flüchtlingen stranden sie in einem schäbigen Hotel in Ankara und lernen dort zwei Freunde kennen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: den kurdischen Lebenskünstler, Luftikus und chronischen Optimisten Manu (Fares Fares) und den gebildeten, geradlinigen und schwerblütigen politischen Aktivisten Abbas (Said Oveissi).
Ankara, das bedeutet für die Flüchtlinge in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft ein beglücktes Auskosten all der neuen, ungewohnten Freiheiten. Keine lebensbedrohenden Schikanen bewaffneter Revolutionswächter, kein Schleierzwang, eine märchenhaft wirkende Freizügigkeit der Bekleidung und der Sitten, keine Angst, keine sichtbaren Zeichen der Repression.
Für einen Augenblick
Für einen Augenblick scheint die Freiheit tatsächlich erreicht zu sein. Doch dann beginnt eine zermürbende Zeit des Wartens, ein nicht enden wollendes Wechselbad aus Hoffnung und Enttäuschung.Der Willkür der türkischen Behörden ausgeliefert, ständig bedroht durch den iranischen Geheimdienst, konfrontiert mit dem Dahinschmelzen der Ersparnisse, die wegen des Arbeitsverbots nicht aufgefüllt werden können, versammeln sich die Flüchtlinge zu Hunderten vor dem UHNCR-Gebäude und warten auf ihre Anerkennung als Flüchtlinge und auf die Weiterreise in ein Aufnahmeland. Wer mit seinem Antrag scheitert wird abgeschoben – möglicherweise in den sicheren Tod.
Zusammen mit den Protagonisten erleben wir bei aller Tragik ungewöhnlich komische Szenen aus dem Alltag, Momente großer Liebe und mangelnden Vertrauens, anrührende Beweise der Freundschaft und Momente schockierender Niedertracht. Und wir erleben, wie das qualvolle Warten in dramatischer Weise kulminiert.
Der Regisseur
Arash T. Riahi ist im Iran geboren und als Kind mit seinen Eltern nach Österreich geflüchtet. Im Film verarbeitet er seine eigenen Erfahrungen und andere authentische Geschichten als mitreißende Achterbahn der Emotionen. Bei der dramatischen Flucht über die Berge werden die Nerven der Zuschauer auf das äußerste strapaziert. Aber ebenso bereitwillig teilt die Erzählung mit dem Publikum auch die Freude der Protagonisten und die Komik dramatischer Lebensumstände.Der korrupte Hotelbesitzer in Ankara wird für seine Habgier bestraft, Amtspersonen lassen sich beeindrucken und missgünstige Denunzianten kann man austricksen.
Riahi lässt die Ereignisse sich überschlagen und der Humor trägt sicherlich dazu bei, das Geschehen in seiner Tragik aushalten zu können. Aber der Humor ist hauptsächlich dazu da, das Publikum in die Geschichte hinein zu ziehen. „Wenn Menschen lächeln, öffnet sich ihr Kopf“, sagt Riahi, der mit „Ein Augenblick Freiheit“ seinen Anspruch ans Kino verwirklicht hat: „Wenn ich ins Kino gehe, möchte ich, dass mich ein Film nicht kalt lässt, er soll möglichst viele Sinne ansprechen.“
Die Entstehung des Films
Bis „Ein Augenblick Freiheit“ seine fesselnde Dramatik fand, brauchte es 14 Drehbuchfassungen. Dichte und Intensität des Drehbuchs erinnern daran, dass Arash T. Riahi vor diesem Spielfilm bereits mit mehreren Dokumentarfilmen zu überzeugen wusste. „Die Souvenirs des Herrn X”, der eine schrullige österreichische Amateurfilmer-Szene portraitiert, wurde 2004 in Chicago mit der Silver Plague ausgezeichnet. Für seinen zweiten Kinodokumentarfilm „Exile Family Movie“ erhielt er unter anderem den Max Ophüls Preis. Seine nunmehr erste große Kinoarbeit eröffnet dem 35-jährigen Regisseur die Freiheiten des fiktionalen Kinos. „Obwohl alles beim Spielfilm gestellt ist, kann man manchmal zu einer radikaleren Form von Wahrheit kommen“. Riahi nutzt diese Tatsache, um die Erfahrungen von Flucht in ihrer ganzen Schönheit und Härte als poetisch-realistischen Film darzustellen.Wichtiges dramaturgisches Instrument ist dabei der Score, der vom kurdisch-österreichischen Elektropop-Musiker Karuan komponiert wurde. Karuan nutzt diverse orientalische Instrumente in Verbindung mit westlichen Klängen, um der Erzählung Stimmung und Dynamik zu geben, ohne sie jedoch ethnografisch zu verkitschen. In der Musik klingen nicht nur wehmütige Töne einer Abwesenheit an, sondern auch ein Gefühl des „Dazwischenseins“ zwischen den Kulturen und man versteht dadurch noch besser, dass Flucht einen Übergang von einer Heimat in die andere, von einem Leben in ein anderes darstellt.
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