Thema:Antirassismus

"Zigeuner raus!"

[Redaktion] Roma und Sinti gelten laut Europäischer Grundrechteagentur FRA neben AfrikanerInnen als die am stärksten von Rassismus betroffene Bevölkerungsgruppe in Europa.

Italien, Ungarn, Slowakei, ... aus immer mehr europäischen Ländern werden gewaltsame Übergriffe auf Roma und Sinti gemeldet. Vor kurzem kam es laut Meldung der Kleinen Zeitung auch in Österreich zu einem Zwischenfall.

Im Osttiroler Ort Ainet wollten in der Nacht vom 1. auf den 2. August die Gäste eines Sportfestes französische Minouche, welche in der Nähe die Nacht verbrachten, zur Weiterfahrt bewegen. Die zum Großteil jungen Gäste des Festes gingen nach Zeugenaussagen mit Stöcken auf die Wohnwägen der Fahrenden los und schrien „Zigeuner raus“.

Die Minouche, welche den Platz zur Nächtigung gegen eine Kaution von 500 Euro vom Gemeindeamt zugewiesen bekommen haben, verständigten daraufhin die Polizei in Lienz welche die Gruppe zu einem anderen Stellplatz eskortieren musste.

Auch wenn sich der Bürgermeister sowie der Obmann des Sportvereines tags darauf bei den Roma für die Zwischenfälle entschuldigten, bleiben die genauen Umstände des Vorfalls aufgrund fehlender Ermittlungen ungeklärt.

Europäischer Trend?

Festzuhalten bleibt jedoch, dass dieser Zwischenfall alles andere als ein Einzelfall war und dass Roma und Sinti in Mitteleuropa immer öfter Opfer von ähnlichen Übergriffen werden.

Anfang des Jahres kam es zum Beispiel in Italien zu regelrechten Ausschreitungen. Am 14. Mai wurden in Neapel 5 Roma-Siedlungen von einem aufgebrachten Menschenmob niedergebrannt. Auslöser war das Gerücht, eine 16-jährige Romni hätte ein Kleinkind entführen wollen.

Auch in Rom spielten sich ähnliche Szenen ab, als im Februar dieses Jahres 2 Romni zu unrecht beschuldigt wurden eine 14-jähres Mädchen vergewaltigt zu haben. Es kam zu Aufmärschen rechtsradikaler Gruppierungen und eine Welle von Hass und Gewalt gegen Roma und Sinti schwappte durch das ganze Land.

Ungarn

Ein Fall in Ungarn zeigt erschreckend, wie gezielt manche TäterInnen bei solchen Übergriffen vorgehen. In einem kleinen Dorf fielen ein Mann und sein fünfjähriger Sohn einem Mordanschlag zum Opfer nachdem ihr Haus in Brand gesteckt wurde. Sie flüchteten ins Freie und wurden dort mit einer Schrotflinte erschossen.

Volle Aufklärung?

Nachdenklich stimmt dabei auch die Tatsache, dass in all diesen Fällen die Behörden den Anschein machen, keinerlei besonderen Anstrengungen zu unternehmen um die Fälle vollständig aufzuklären. Sowohl in Italien wie auch in Ungarn wurden die Untersuchungen nach kürzester Zeit abgebrochen und somit die TäterInnen nicht gefasst.

Auch der Fall der sich Anfang August in Osttirol abgespielt hat wurde von den Behörden beschwichtigt. Laut Aussagen der Polizei wollten die Roma ohnehin schon vor dem Zwischenfall die Weiterreise antreten.

Dominik Mandl

Bericht über den Zwischenfall in Osttirol auf Romablog, Bericht über Osttiroler Zwischenfall in Kleiner Zeitung, Bericht in der TAZ über Roma-Mord in Ungarn, Bericht in der TAZ über brennende Roma-Siedelungen in Neapel



 
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