Thema:Asyl

Wie kriminell sind Asylwerber tatsächlich?

[SOS Mitmensch] Immer wieder wird behauptet, 40 Prozent der Asylsuchenden seien kriminell. Mit einer Bierdeckelaktion wird im Rahmen der Aktion "Rassismusfreie Zone Leopoldstadt" (Zur Kritik am Begriff 'Rassismusfrei') mit diesem Vorurteil aufgeräumt. Die dreiteilige Serie gegen Rassismus wurde von Gabriele Adebisi-Schuster entworfen. Die Bierdeckel können in Lokalen im zweiten Bezirk gefunden werden.

Weil man bekanntlich keiner Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat, lohnt sich die eingehende Beschäftigung mit den Zahlen immer wieder. So auch mit der Behauptung, 40 Prozent der AsylwerberInnen seien kriminell. Wer das behauptet, beruft sich meist auf folgende Zahlen: auf 30.000 Asylsuchende kämen 10.000 Anzeigen.

Der Fehler: Hier werden Äpfel mit Birnen vermengt. Die 10.000 Anzeigen beziehen sich auf den Zeitraum des gesamten Jahres (2008), während die 30.000 AsylwerberInnen an einem Stichtag gezählt wurden und deshalb nicht alle im Zeitraum 2008 in Österreich aufhältigen Asylsuchenden umfassen.

Um den Anteil der 2008 angezeigten Asylsuchenden richtig zu bestimmen, müsste man wissen wie viele Asylsuchende sich 2008 insgesamt im Land aufgehalten haben. Da es keine solchen veröffentlichten Daten gibt, kann man sich überschlagmäßig mit der Addition der abgeschlossenen (15T) und der am Jahresende offenen Verfahren (30T) behelfen. Da kommt man für 2008 auf die Zahl von rund 45.000.

Wer kriminell ist, darüber entscheidet ein Gericht, nicht die Polizei.

Über die tatsächliche Kriminalitätsrate von Asylsuchenden gibt es ohnehin keine Zahlen, weil die gerichtliche Verurteilungsstatistik Flüchtlinge nicht ausweist. Man kann sich hier annähern, indem man den Anteil der insgesamt in Österreich verurteilten Tatverdächtigen ermittelt und auf die verfügbaren Daten über AsylwerberInnen (Anzeigen) umglegt.

Dieses Verhältnis von Verurteilten zu Angezeigten insgesamt beträgt eins zu sechs (2008: 240.000 Tatverdächtige auf 40.000 Verurteilte). Wenn also angenommen wird, dass jedeR sechste angezeigte Asylsuchende verurteilt wird, ergäbe das 5 Prozent kriminelle AsylwerberInnen.

Sinnlose Zahlenspiele

Allerdings sind diese Zahlenspiele nicht gerade genau und nur insofern sinnvoll, als man damit notorische HetzerInnen (”Jeder zweite Asylwerber kriminell”) entkräften kann, Ansatzpunkt für nachhaltiges politisches Handeln sind sie kaum. In aller Regel gibt es nämlich drei Risikofaktoren für die Kriminalitätsbelastung: 1) Männliches Geschlecht, 2) Alter zwischen 20 und 35 Jahren und 3) geringe soziale Verankerung. Politisch steuerbar ist davon genau noch eine: Wer Arbeit, Ausbildung, Freundeskreis und eine Perspektive hat, wird seltener kriminell.



 
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