Thema:Migration-Integration

Fassmann setzt sich von BMI ab.

[SOS Mitmensch] Heinz Fassmann, wissenschaftlicher Leiter des umstrittenen Integrationsmonitoring des BMI distanziert sich deutlich von seinem Auftraggeber.

Interview mit Fassmann in mo - Magazin für Menschenrechte, Artikel in Wiener Zeitung (pdf, 93 KB)


Fassmann: "Ich bin unzufrieden. Habe den Verdacht, die meisten meinen Angleichung."
Der Migrationsforscher Heinz Fassmann setzt sich im Interview mit mo - Magazin für Menschenrechte deutlich von der österreichischen Integrationspolitik ab.

Das ist umso bemerkenswerter, gilt Fassmann doch als wissenschaftliches "Mastermind" der österreichischen Integrationspolitik, die vom ÖVP-geführten Innenministerium (BMI) gesteuert wird.

Fassmann kritisiert fehlende Mittel und Kompetenzen zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Integration. "Es wird wohl beim Versuch bleiben – ohne Kompetenz und ohne Geld", so Fassmann im Interview wörtlich.

Von den politisch Verantwortlichen zeigt sich Fassmann enttäuscht: "Ich bin unzufrieden. Jeder sagt, er ist für Integration. Aber keiner sagt genau, was für ein Modell er darunter versteht. Ich habe den Verdacht, dass die meisten Angleichung meinen."

Die Schwammigkeit des Integrationsbegriffs hält Fassmann für durchaus beabsichtigt: "Unklarheit ist immer ein willkommenes Instrument, relativ rasch auf einer oberflächlichen Ebene Konsens zu erzielen."

Prestigeprojekt Integrationsmonitoring

Fassmann hat im Aufttrag des Innenministeriums einen Indikatoren-Katalog erstellt, mit dem künftig gemessen werden soll, wie Integrationsprozesse in Österreich verlaufen und wie wirksam Integrationsmaßnahmen sind.

Derzeit bastelt das BMI nach Angaben von Hilfsorganisationen an einem Gremium, das dieses Monitoring beaufsichtigen soll. Die Einrichtung ist das einzige handfeste Ergebnis des Nationalen Aktionsplan Integration und gilt deshalb als Prestigeprojekt.

Fassmanns unverhohlene Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, da er selbst ins Schussfeld geraten ist. Das Herzstück des Monitorings, Fassmanns Kriterien-Katalog, wird von eigenen KollegInnen als unwissenschaftlich und "Legitimationsforschung" kritisiert.

Gegenüber der Wiener Zeitung monierten Teile der Scientific Communitiy, Fassmans Arbeit bediene politische Interessen und ignoriere den internationalen Stand der Integrationsforschung.

Die aktuelle Ausgabe von mo - Magazin für Menschenrechte erscheint am Samstag, den 6. Juni 2010 und liegt einem Teil der Auflage der Tageszeitung Der Standard bei. Ab kommender Woche kann die Nummer in der Straßenkolportage erworben werden. Unter http://www.momagazin.at gibts mo zur Bestellung im Abo oder als PDF zum Download. Das Interview im Wortlaut: http://momagazin.at/stories/2629/



 
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