Thema:Demokratie und Recht
Geschichte von oben
Keine ORF-Seher-Gelder für einseitige Geschichtsschreibung.
Die Menschenrechtsgruppe SOS Mitmensch übt Kritik am publizistischen Beitrag des ORF zum Jubiläumsjahr. Der Band "Österreich - Die zweite Republik", herausgegeben von Werner Mück im ORF-Verlag, stehe in der Tradition der "Geschichtsschreibung von oben". Ein Konzept, das unter Historikern längst auf breite Ablehnung stoße. "Die lebhafte österreichische Zivilgesellschaft wird in der Geschichtsschreibung der Autoren ausgeblendet", bemängelt SOS Mitmensch-Sprecher Philipp Sonderegger. Als AkteurInnen im Abriss der letzten 50 Jahre kämen fast nur Wirtschaftkapitäne, PolitikerInnen und Parteien, aber kaum BürgerInnen und Bürger vor. Dem "Lichtermeer" von 1993, damals demonstrierten 300.000 gegen Fremdenfeindlichkeit, wurde in dem 288 Seiten starken Band immerhin ein Absatz eingeräumt. Während die Protestbewegung gegen die Bundesregierung vom Jahr 2000 mit einem Halbsatz auskommen müsse. Besonders befremdet zeigt man sich bei SOS Mitmensch, das weder das eine noch das andere Ereignis bebildert worden sei. Dies widerspreche allen journalistischen Standards. Hainburg erfahre zwar platzmäßig angemessene Berücksichtigung, aber nur als Teil der grünen Parteigeschichte. Als Geburtsstunde der österreichischen Zivilgesellschaft werde es nicht wahrgenommen.
Scharf weist SOS Mitmensch die Legitimierung des Anti-Ausländer-Volksbegehren der FPÖ durch die Autoren zurück. Dieses werde als logische Folge steigender Zuwanderung Anfang der 90-iger dargestellt. Nährboden für die gestiegene Fremdenfeindlichkeit sei aber eine verfehlte Sozial- und Integrationspolitik der damaligen SPÖ-ÖVP-Regierung gewesen. Nun die Ursache für diese Entwicklungen bei den Opfern von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, nämlich den MigrantInnen selbst zu suchen, sei keine Sichtweise, die man durch Seher-Gelder finanziert wissen wolle.







