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03. Sep. 2015

MO-Magazin: Ottomeyer: „Eigene Gier und eigener Neid werden auf Flüchtlinge projiziert“

Im Interview mit dem MO-Magazin für Menschenrechte erklärt der Psychologe Klaus Ottomeyer anhand der Flüchtlingsdebatte, warum rechte Propaganda bei vielen Menschen und vor allem bei jungen Männern erfolgreich ist. Laut Ottomeyer werden im Zeitalter des Konsumkapitalismus die eigene Gier und auch der eigene Neid auf Flüchtlinge projiziert. Moralisches Gewissen werde mit Hilfe rechter Propaganda verdrängt.

 

Reale Probleme werden aufgeladen

„Viele projizieren den eigenen moralischen ‚Schmutz’, das ‚Unsaubere’, das wir manchmal praktizieren und die eigenen Aggressionen auf ‚den Flüchtling’. Dann entstehen auch Plakate wie bei den letzten Landtagswahlen in der Steiermark, wo ein Flüchtling als IS-Kämpfer in einer Dorfidylle abgebildet wird. So werden reale Probleme aufgeladen und gleichzeitig eigene innere Spannungen aufgelöst und unterdrückt“, erklärt Ottomeyer in dem von SOS Mitmensch herausgegebenen Menschenrechtsmagazin.

 

Gewissen wird verdrängt

Der an der Universität Klagenfurt tätige Psychologe betont, dass sich „das Gewissen, das Über-Ich, nicht abschaffen lässt“, aber es sei möglich, „die Hilfsverpflichtung, die wir alle verspüren, wenn wir Not leidende Menschen und besonders Kinder sehen“, zu verdrängen. „Das geht, wenn man Flüchtlinge als Simulanten fantasiert, als egoistische Wirtschaftsflüchtlinge und Faulpelze. Dann fällt diese Hilfsverpflichtung weg und die, die ihnen helfen, werden abwertend als Gutmenschen oder im Extremfall als „Tugendterroristen“ bezeichnet“, so Ottomeyer.

 

Krise des Patriarchats

Die Hintergründe der Attraktivität rechter Propaganda bei jungen Männern ortet der Psychologe in einer „Dauerkrise des Patriarchats“. Auf diese Krise gebe es eine „neo-patriarchale Reaktion“, so Ottomeyer. „In Österreich manifestiert sich dieser Konflikt in der Gegenüberstellung von Fans von Conchita Wurst und Andreas Gabalier. Die FPÖ versucht Gabalier zum Symbol des ordentlichen, wehrhaften Heterosexuellen zu machen, der sich gegen die Relativierung der Geschlechter stellt. In dieser Diskussion können sich FPÖ-Politiker als quasi Verfolgte präsentieren: die ordentlichen Heteros, die gegen das dominante System rebellieren“, so Ottomeyer.

 

Das vollständige Interview finden Sie HIER

 

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