Das gar nicht so neue Stadtbild
RE-CHEK. Und der gar nicht so neue Rassismus.
Vanessa Spanbauer checkt mehrfach: Eine Kolumne über
Diversität, Feminismus und Migration.
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Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz schockierte mit einem Sager, der aufzeigt, wie die diverse Gesellschaft von vielen Menschen wahrgenommen wird. Er sprach von „Problemen im Stadtbild“ und bezog sich auf eine Gesellschaft, die von Migration geprägt ist. Mit jedem Versuch sich zu erklären, machte er es schlimmer. Erst versuchte er zu spezifizieren, dass er von Menschen ohne Aufenthaltsstatus spricht. Abgerundet hat er es mit der Erklärung, dass besonders die Töchter schon wüssten, wovon er spricht.
Unser Bundeskanzler Stocker sprang seinem Kollegen aus Deutschland zur Seite. Es ist nicht überraschend, denn die österreichische Schwesterpartei ist dem rassistischen Diskurs seit einigen Jahren voraus.
Heftige Kritik wurde nach der Aussage in Deutschland laut. Besonders weil klar ist, dass alle Menschen gemeint sind, die eine sichtbare Migrationsbiografie haben – oder deren Vorfahren diese hatten. Im Gegensatz zu Merz betonte Angela Merkel, seine Vorgängerin und Parteikollegin, vor einigen Jahren noch, dass sie sich Sorgen mache, wann Menschen, denen man die Migrationsbiografie ansieht, endlich als Deutsche angesehen werden. Menschen auf den unterschiedlichen Social Media Plattformen teilten Videos in denen Merkel genau solche Gedanken teilt. „Die gute alte Zeit“, liest man darunter.
Und was machen die Menschen, die mit dieser Aussage gemeint sind? Sie filmen witzige Videos in denen sie sich als das Problem im Stadtbild beschreiben, um die Absurdität dieser Aussage zu unterlegen. Humor ist auch eine Lösung. Längst wissen diese Menschen, dass sie von der Gesellschaft als Problem wahrgenommen werden und der Rassismus nicht weniger geworden ist. Nur Menschen, die selbst von diesen Aussagen nicht betroffen sind, reagieren schockiert und können es nicht fassen.
Es ist nicht zu leugnen, wie sehr sich der Diskurs in Sachen Migration in den letzten Jahren nach rechts verschoben hat – auch in Deutschland. Wir sind gar nicht mehr so verschieden. Manchmal wundert mich allerdings dann doch, für wie viele Menschen diese eindeutige Verschiebung noch schockierend ist.
Vanessa Spanbauer ist Journalistin und Historikerin aus Wien.
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