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05. Sept.. 2026

Mehr als Medizin

DOSSIER. Social Prescribing soll Patient:innen gezielt zu Bewegungsangeboten, Beratungsstellen oder sozialen Aktivitäten bringen. In Österreich zeigen erste Evaluierungen positive Effekte. Doch das Angebot ist noch wenig bekannt und nicht überall gleich gut umsetzbar.
 

Text: Milena Österreicher.

Ein Beitrag im neuen MO - Magazin für Menschenrechte.

 

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Wer mit Rückenschmerzen, Schlafproblemen oder Erschöpfung in eine Ordination kommt, braucht nicht immer nur ein Medikament. Manchmal stecken dahinter Einsamkeit, Überforderung oder fehlende soziale Kontakte. Genau hier setzt Social Prescribing an: Patient:innen werden an nicht-medizinische Angebote vermittelt – etwa Bewegungsgruppen, Beratungsstellen, Vereine oder gemeinschaftliche Aktivitäten.


Die Idee stammt aus England. In Österreich wurden 2021 erste Modelle erprobt; beim dritten Fördercall 2023/24 waren 15 Einrichtungen beteiligt. Der Prozess beginnt meist in der Ordination: Ärzt:innen, Assistent:innen oder andere Gesundheitsberufe erkennen die Belastungen und vermitteln an sogenannte Link-Worker:innen. Diese klären in mehreren Gesprächen den Bedarf, suchen passende Angebote und stellen Kontakte her. Sozialarbeiterin Natalie Stöger-Reiter ist im Primärversorgungszentrum im niederösterreichischen Purgstall dafür zuständig. Sie berichtet etwa von einer älteren Frau, die zu einem Suppentreff begleitet wurde, von einem Mädchen, das die ganze Zeit nur am Smartphone hing und für das ein passendes Freizeitangebot gesucht wurde oder von einem über 80-jährigen Mann, für den sie Möglichkeiten zum Waldbaden suchte. „Entscheidend ist, dass die Hemmschwelle so niedrig wie möglich gemacht wird“, sagt sie. Etwa durch das Suchen nach kostenlosen Angeboten oder die Begleitung zum ersten Termin. „Es gibt viele Menschen, die so ein Angebot brauchen“, sagt die Sozialarbeiterin.

 

Foto: Vitaly Gariev, Unsplash


Auch die Ärztin Irene Lachawitz hat Social Prescribing mittlerweile in ihrer Wiener Ordination eingeführt. Zwei- bis dreimal pro Woche verweist sie Patient:innen weiter an die zuständige Link-Workerin. Relevant sei Social Prescribing unter anderem für Menschen, die sehr häufig in die Ordination kommen, obwohl hinter ihren Beschwerden mitunter vor allem Überlastung, Einsamkeit oder andere Probleme stehen. „Mehr Augenmerk auf die psychosozialen Umstände, die das Wohlbefinden und die Gesundheit beeinflussen, finde ich sehr wichtig. Dafür habe ich selbst aber meist kaum Zeit“, so Lachawitz. Wie gut der Ansatz funktioniert, hängt stark vom Wohnort ab. In Städten ist die Auswahl an Kursen, Gruppen und Beratungsangeboten größer. Am Land sind nicht nur die Angebote begrenzter, sondern oft auch die Wege dorthin ein Problem. „Es scheitert oft auch an der Mobilität“, berichtet Stöger-Reiter aus Purgstall.


Die bislang umfassendste Wirkungsanalyse zur österreichischen Umsetzung stammt aus dem Jahr 2024 von der Wirtschaftsuniversität Wien. Untersucht wurden dabei 15 Einrichtungen, befragt wurden 21 Ärzt:innen und 21 Fachkräfte mit Link-Working-Funktion, zusätzlich flossen Daten zu 772 Patient:innen ein. Die Ergebnisse fallen hier positiv aus: Bei rund 79 Prozent der vermittelten Personen wurde nach Nutzung regionaler Angebote eine Verbesserung des psychischen Wohlbefindens festgestellt. Eine stärkere positive Veränderung gab es zudem bei betreuten Personen in ländlichen Gebieten. 74 Prozent der Ärzt:innen berichteten insgesamt von mehr Zeit für die individuelle Behandlung, 75 Prozent fühlten sich durch die Möglichkeit der Weitervermittlung mental entlastet.

 

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