MO Editorial
Liebe Leser:innen,
was bedeutet Demokratie?
Diese Frage begleitet uns eigentlich täglich: Wenn wir weltweit von autoritären Regimen lesen, von eingeschränkten Rechten oder Angriffen auf marginalisierte Gruppen. Oder wenn wir selbst mit Demokratiedefiziten konfrontiert sind – in Österreich wie auch anderswo. Demokratie ist nie selbstverständlich. Sie kann erodieren, manchmal leise, durch mangelnde Transparenz, den Ausschluss bestimmter Gruppen oder die Einschränkung der Medienfreiheit. Mit Arne Semsrott haben wir deshalb darüber gesprochen, wo es aktuell gilt, besonders wachsam zu bleiben. Doch genügt es, sich allein auf historische Errungenschaften zu berufen und sie zu verteidigen? Oder braucht es nicht längst neue Impulse, um Demokratie lebendig – und zukunftsfähig – zu halten?
So ist Österreich längst eine vielfältige Migrationsgesellschaft, doch im Parlament und in der Politik spiegelt sich diese Realität kaum wider. Edgar Subak zeigt in seinem Beitrag, wie es um die Repräsentation steht, und Vanessa Spanbauer kritisiert dieses Defizit in ihrer Kolumne. Auch andere Zukunftsfragen verlangen ein erweitertes Demokratieverständnis: Künstliche Intelligenz und neue Technologien stellen uns vor Fragen der Transparenz, Kontrolle und Grundrechte. Die Klimakrise verlangt Entscheidungen, die über Generationen wirken, und Partizipation, die weit über Wahlzyklen hinausgeht. Eines bleibt dabei zentral: Demokratie lebt von Teilhabe.Wien trägt dieses Jahr den Titel „Europäische Demokratie-Hauptstadt“. Auch die zweite Jahreshälfte bietet zahlreiche Gelegenheiten, dies praktisch zu erleben: bei Veranstaltungen, Bildungsangeboten und Mitmach-Möglichkeiten. Nutzen wir sie!
Milena Österreicher, Chefredakteurin
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