MO Editorial
Liebe Leser:innen,
Gespräche über junge Männer beginnen oft erst dann, wenn etwas schiefläuft. Wenn Gewaltstatistiken steigen, Klassenräume kippen, Radikalisierung sichtbar wird. Wenn ein Influencer Millionen Klicks mit Härte, Verachtung und einfachen Wahrheiten sammelt – und tausende junge Männer ihm folgen und seine Inhalte teilen. Dann plötzlich die große Frage von Eltern, Lehrkräften, Freund:innen: Was ist los mit den Burschen?
Junge Männer wachsen heute mit vielen Erwartungen auf. Einerseits sollen sie sensibel und emotional offen sein. Andererseits sollen sie immer noch Leistung zeigen, Unsicherheit verstecken, Stärke verkörpern. Das sehen sie on- wie offline, auf Social Media wie auf der politischen Weltbühne. Fast überall finden sich problematische Männerbilder sowie Gewalt gegenüber Frauen und queeren Menschen, aber auch gegen sich selbst und andere Männer.
Unser Schwerpunkt will deshalb genauer hinschauen: auf Ängste, Wut, Beziehungen, Körperideale, Vorbilder, Liebe. Vor allem aber auf die Frage, wie junge Männer heute ihren Platz in der Gesellschaft finden können und wer sie dabei begleitet. Es braucht Gespräche darüber, was Mannsein heute bedeuten kann, welche positiven Männlichkeitsbilder Orientierung geben und wie Männer auch stolz auf ihr Mannsein sein können – ohne Dominanz und Abwertung anderer. Und es braucht Vorbilder, die das glaubhaft vorleben. Mit wem werden Sie heute darüber sprechen?
Milena Österreicher, Chefredakteurin
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