MO Editorial
Liebe Leser:innen,
zugegeben: Ich war dieses Jahr oft krank (dabei liegt die klassische Grippesaison ja erst vor uns). Nach stressigen Wochen fahre ich in den Urlaub und werde just am ersten freien Tag krank. Ich treffe eine schnupfende Freundin, am nächsten Tag kratzt mein Hals. Mal lag ich dann mit Medikamenten im Bett, mal schleppte ich mich mit heißem Tee bis zur nächsten Deadline durchs Homeoffice, mal saß ich bei meiner Ärztin, um abzuklären, was los ist. Schlafe ich zu wenig, arbeite ich zu viel, bewege ich mich zu wenig? Wie viel davon kann ich selbst beeinflussen und wo enden individuelle Entscheidungen? Je länger man über Gesundheit nachdenkt, desto schwieriger wird es, sie als rein persönliche Angelegenheit zu betrachten. Denn nicht jede:r kann sich ausruhen, wenn der Körper Ruhe verlangt. Nicht jede:r kann sich leisten, krank zu sein. Nicht jede:r findet rasch einen Therapieplatz oder wird mit den eigenen Beschwerden ernst genommen. Gesundheit hängt auch davon ab, unter welchen Bedingungen wir leben: Wie viel Geld wir haben, wie wir arbeiten, welche Sprache wir sprechen, ob wir Diskriminierung erfahren und wie gut das Gesundheitssystem auf unterschiedliche Lebensrealitäten eingeht. Und sie hängt von Menschen ab, die pflegen, behandeln und begleiten – oft unter Bedingungen, die auch ihre eigene Gesundheit belasten. Davon erzählen einige Geschichten in diesem Heft. Sie erinnern daran, dass Gesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Krankheit und die Chancen auf ein gesundes Leben alles andere als gleich verteilt sind. Passen Sie gut auf sich – und aufeinander – auf.
Milena Österreicher, Chefredakteurin
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