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05. Sept.. 2026

Pay me like a white man

RE-CHEK. Faire Bezahlung ist nicht nur eine Frage guter Verhandlung. Es geht auch darum, wem sie zugestanden wird.

 

Vanessa Spanbauer checkt mehrfach: Eine Kolumne über 

Diversität, Feminismus und Migration.

Ein Beitrag im neuen MO - Magazin für Menschenrechte.

 

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Seit einigen Jahren bin ich –mal nebenbei, mal ausschließlich – selbständig. Gehaltsverhandlungen gehören damit zu meinem Berufsalltag. Mein Selbstvertrauen und meine Sicherheit bei den Verhandlungen sind bereits einen weiten Weg gegangen, dennoch fordere ich regelmäßig zu wenig Lohn für meine Arbeit. Nicht selten kommt es zu dem Moment, bei dem ich meine wohl überlegte Gehaltsvorstellung äußere und am anderen Ende fast ein kleines Lächeln oder ein Satz wie „Ja, das ist drinnen“ ertönt, der die Interaktion abschließt. In diesem Moment wird mir bewusst, dass ich zu wenig Geld verlangt habe. Ich ärgere mich, denn ich hätte das Geld, welches dann in den Budgets überbleibt, dringend gebraucht. Aber am meisten ärgere ich mich über mich selbst. Habe ich das Game denn noch immer nicht verstanden? Dann begegnete mir der Slogan „Pay me like a white man“ auf einem Shirt. Und es trifft den Kern meines Problems. Lang schon hält es sich, dass Männern nachgesagt wird, die besseren Verhandler zu sein. Frauen allerdings verkaufen sich immer noch stark unter ihrem Wert.

 

Der Gender-Pay-Gap ist real. Der ist natürlich nicht nur auf die fehlenden Verhandlungskünste zurückzuführen, sondern in sehr vielen strukturellen Diskriminierungen beheimatet. Mein Nicht-weiß-sein ist eine zusätzliche Ebene, die hier greift. Schon lange habe ich mich daran gewöhnt, dass viele Menschen meine Arbeit – obwohl sie klar journalistisch, pädagogisch, historisch oder kuratorisch ist – als Aktivismus einordnen. Eine Tätigkeit, die sie als kostenlos und ehrenamtlich ansehen. Ich kenne meine Arbeit und ihren Wert. Ich habe langjährige Erfahrung in den verschiedenen Bereichen und preise das mittlerweile auch in meine Angebote ein. Mein Lebensunterhalt muss damit bestritten werden und die Steuern und die SVS zahlen sich auch nicht von selbst. Doch schrecke ich im letzten Moment oft davor zurück, einen realistischen Preis zu nennen und sage etwas Gewohntes. Um faire Bezahlung muss ich härter kämpfen als manch andere Person. Dennoch muss ich mir oft eingestehen, dass ich noch einiges zu lernen habe, bis ich meinen inneren „white man“ bei den Verhandlungen gefunden habe.

 

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Vanessa Spanbauer ist Journalistin und Historikerin aus Wien.

 

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