Reden über Sex
DOSSIER. Sexualpädagoge und Jugendsexualberater Stephan Hloch von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) im Gespräch über erste Male, Körperbilder und Verhütungsgerechtigkeit.
Interview: Milena Österreicher.
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Sie arbeiten in Schulworkshops und bei Beratungen viel mit Burschen und jungen Männern. Welche Themen bringen diese mit?
Bei 13- bis 15-Jährigen geht es oft um Erwartungen. Viele sind noch nicht sexuell aktiv und fragen sich: Wie wird das erste Mal? Wie „muss“ ein Penis aussehen oder funktionieren? Wie lange dauert Sex? Diese Vorstellungen sind stark von Pornografie geprägt. Wenn sie älter werden und erste Erfahrungen machen, geht es stärker um das eigene Erleben in Beziehungen.
Beginnen erste sexuelle Erfahrungen heute früher?
Interessanterweise nein. Studien zeigen, dass das Durchschnittsalter – aktuell bei rund 17 Jahren – für den ersten Geschlechtsverkehr in den letzten zwanzig Jahren gestiegen ist.
Woran liegt das?
Es gibt eine gewisse Retraditionalisierung – also Lebensentwürfe, in denen Sexualität stärker an Beziehungen oder Ehe gekoppelt ist. Auch die Freizeit hat sich verändert. Früher fand vieles beim Weggehen statt: auf Partys, mit Alkohol, im direkten Kontakt. Heute verbringen Jugendliche mehr Zeit online oder beim Gaming. Und es könnte auch sein, dass Entscheidungen bewusster getroffen werden. Themen wie Konsens oder „Bin ich bereit?“ sind präsenter als früher.
Gleichzeitig ist Sex allgegenwärtig.
Das ist die paradoxe Situation: Sehr viel Sexualität in Medien und Köpfen, aber weniger im echten Leben.

Sexualpädagoge Hloch: Junge Menschen haben heutzutage später Sex als vor zwanzig Jahren. | Foto: Privat
Wie stark sind Sexualität und Männlichkeit verknüpft?
Das ist unterschiedlich. Aber ein Muster zieht sich schon durch: Für viele junge Männer gehört sexuelle Performance noch immer zur Männlichkeit. Also die Idee, funktionieren zu müssen: als aktiver Part und möglichst lange. Dazu kommt ein starkes Körperideal. Dieser Druck hat in den letzten Jahren zugenommen. Schon Zehnjährige sprechen über Körperbilder, die sie aus sozialen Medien kennen. Die permanente Konfrontation mit idealisierten Bildern macht es nicht leicht.
Sie sprechen auch über Verhütungsgerechtigkeit. Warum ist das wichtig?
In vielen heterosexuellen Beziehungen liegt die Verantwortung für Verhütung noch immer bei der Frau. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist, Männer dafür zu sensibilisieren, dass sie Verantwortung übernehmen. Das ist auch in ihrem eigenen Interesse, wenn es etwa um Vaterschaft geht. Gleichzeitig scheitert es dann oft an einfachen Dingen. Der Kauf von Kondomen im Geschäft ist für manche immer noch schambehaftet. Und alternative, massentaugliche männliche Verhütungsmethoden gibt es derzeit kaum.
Sind viele Männer mit Fragen rund um Sexualität leicht zu erreichen?
Jugendliche ja, sie erreicht man über Schulen relativ gut. Erwachsene Männer deutlich schwieriger. Wenn sie aber einmal in einem geschützten Rahmen sind, gibt es großen Gesprächsbedarf. Die Schwierigkeit ist, sie dorthin zu bringen.
Wie könnte das besser funktionieren?
Man müsste dorthin gehen, wo viele Männer sind: Sportvereine, Stammtische, informelle Settings. Und dann durch die typische Anfangsdynamik durch: Witze, Sprüche, Abwehr. Wenn man aber dranbleibt, kommt man oft zu sehr ehrlichen Gesprächen.
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