FPÖ sitzt bei „Aula“-Prozess mit auf der Anklagebank!
Heute startet in Graz der von SOS Mitmensch ins Rollen gebrachte Nazi-Wiederbetätigungsprozess gegen den ehemaligen „Schriftleiter“ des FPÖ-nahen Magazins „Aula“. Der Prozess ist hochbrisant. Es geht es nicht nur um das Handeln eines einzelnen früheren FPÖ-Politikers, sondern um ein rechtsextremes System, das von nahezu der gesamten Parteiführung aktiv unterstützt wurde. Damit sitzt de facto die FPÖ mit auf Anklagebank!
Hochbrisanter Prozess
„Der Prozess ist hochbrisant. Kickl, Rosenkranz, Haimbuchner, Kunasek, Vilimsky, Hofer, Landbauer - sie alle und noch viele führende FPÖ-Politiker mehr waren in unterschiedlicher Form in das System rund um das mit Neonazis sympathisierende „Aula“-Magazin involviert. Ein Schuldspruch wäre die gerichtliche Bestätigung, dass sich die FPÖ nicht nur knapp, sondern zum Teil meilenweit außerhalb des demokratischen Verfassungsbogens bewegt hat“, erklärt Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.
An ideologische Grenze zu Wiederbetätigung herangepirscht
Allein schon die Anklageerhebung würde zeigen, wie nahe sich Teile der FPÖ an die ideologische Grenze zu nationalsozialistischer Wiederbetätigung herangepirscht hätten, so Pollak. Schließlich sei das rechtsextreme Magazin von zentralen Proponenten der FPÖ mitbetrieben, finanziell gefördert, beworben, bejubelt, mit Beiträgen gefüttert oder als Bühne für den Auftritt vor einem einschlägigen Publikum genutzt worden, berichtet Pollak.
Beispiele für Verstrickungen von Kickl & Co.
SOS Mitmensch listet auf, dass etwa das FPÖ-Bildungsinstitut unter der Führung von Herbert Kickl bezahlte Inserate in der „Aula“ geschalten habe, noch nachdem das antisemitische Magazin KZ-Überlebende beschimpft hatte. Weitere aktive FPÖ-Politiker, wie der oberösterreichische Vize-Landeshauptmann Manfred Haimbuchner oder der FPÖ-EU-Abgeordnete Harald Vilimsky, hätten die „Aula“ mittels großflächiger Inseratschaltungen gefördert, so SOS Mitmensch. Darüber hinaus habe der heutige Nationalratspräsident Walter Rosenkranz früher in dem rechtsextremen Magazin publiziert, ebenso der heutige steirische Landeshauptmann Mario Kunasek oder der inzwischen zum steirischen Landesrat ernannte FPÖ-Politiker Hannes Amesbauer. FPÖ-Burgenland-Obmann Norbert Hofer habe während seiner Präsidentschaftskandidatur für Werbefotos für die „Aula“ posiert. Und der niederösterreichische Vize-Landeshauptmann Udo Landbauer habe in der „Aula“ einst für ein Liederbuch mit NS-Liedgut geworben und die "alten Werte" des rechtsextremen und antisemitischen Magazins bejubelt.
Lange Ermittlungen der Justiz nach SOS Mitmensch-Anzeige
Bereits im Dezember 2018 hatte SOS Mitmensch Anzeige gegen den Chefredakteur der „Aula“ eingebracht und der Grazer Justiz ein 300-Seiten dickes Dossier über den Wiederbetätigungsverdacht übermittelt. Darin wurde akribisch aufgelistet, wie das rechtsextreme Magazin Neonazis auftreten ließ, Holocaustleugner hofierte sowie Antisemitismus und Herrenrassendenken verbreitete. So sei in der „Aula“ etwa vor einer „Judaisierung der Welt“ und vor „Rassenmischung“ gewarnt worden. Ehemalige Nazikämpfer hätten in der „Aula" ein Sonderlob erhalten, wenn sie auch nach 1945 im rechtsextremen und neonazistischen Milieu aktiv geblieben waren, wohingegen KZ-Überlebende wiederholt diffamiert und verunglimpft worden seien. Im Juni 2018 wurde die „Aula“ eingestellt. Ein 2019 unter Beteiligung von FPÖ-Politikern unternommener Versuch, das Magazin wiederzubeleben, scheiterte an erneuten öffentlichen Protesten.
300 Seiten dickes "Aula"-Dossier von SOS Mitmensch mit mehr als 200 Belegartikeln zum Verdacht der NS-Wiederbetätigung wurde an die Staatsanwaltschaft Graz versendet
FPÖ ist Gefahr für Demokratie
„Eine Partei, in der führende Politiker ein mit Neonazis und Holocaustleugnern sympathisierendes Magazin wie die „Aula“ mitbetrieben, gefördert und bejubelt haben, ist eine Gefahr für unsere Demokratie. Das muss so offen und klar gesagt werden“, so Pollak abschließend.
"Aula" wollte Neonazis und Naziideologie salonfähig machen
„Unsere Analyse zeigt, dass die „Aula“ systematisch darauf hingewirkt hat, Neonazis und wesentliche Teile der Naziideologie in Österreich wieder salonfähig zu machen“, erklärt Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch, den Hintergrund der Anzeige im jahr 2018. Das betreffe etwa das Propagieren von Antisemitismus und Herrenrassendenken, die Verteidigung von Holocaustleugnern und Neonazis, die Verehrung von Nazikämpfern, die Verunglimpfung von KZ-Überlebenden, die Übernahme von Nazivokabular und das massive Bewerben von antisemitischer und geschichtsrevisionistischer Literatur, so Pollak.
Verunglimpfung von KZ-Überlebenden in der "Aula", Ausgabe Juli/August 2015
Verherrlichung von NS-Symbolik und Loblied auf das von Nationalsozialisten eingeführte Mutterkreuz in der "Aula" - ohne ein einziges kritisches Wort über den Nationalsozialismus, Ausgabe Jänner 2014
"Aula"-Jubelartikel über Nazi-Fliegerhelden, der auch nach 1945 noch im rechtsextremen und neonazistischen Milieu verkehrte, Ausgabe Jänner 2013
Wohlwollendes "Aula"-Gedenken an Mitgründer der später wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verbotenen NDP, Ausgabe Oktober 2012
„Aula“ sieht im Neonazi und verurteilten Holocaustleugner Gerd Honsik einen „Dissidenten“, der wegen „Meinungsdelikten“ verurteilt wurde, Ausgabe September 2011
Antisemitismus, rassistisches Vokabular und die Warnung vor der "Rückkehr des Jüdischen" in der "Aula", Ausgabe März 2014
"Aula" über "Judaisierung der Welt" und den "Antichristen", Ausgabe Dezember 2015
"Jüdische Interessen" als Gegensatz zu "deutschen Interessen" in der "Aula", Ausgabe Oktober 2011
"Aula" gratuliert dem Holocautsleugner David Irving, Ausgabe März 2008
"Aula" zitiert wohlwollend einen Rassisten, der behauptet, dass "die Frau gegenüber dem Mann" und "manche Rassen gegenüber anderen" ein "untergeordneter" bzw. "nachgeordneter Teil" seien, Ausgabe Februar 2017
"Aula" warnt vor "Völkermord" durch "Rassenmischung", Ausgabe Dezember 2015
Bezeichnung von Integration als "Völkermord" in der "Aula", Ausgabe April 2008

Rassistische Verunglimpfung des österreichischen Song-Contest-Teilnehmers in der "Aula", Ausgabe Mai 2018
"Aula" macht Doppelinterview mit Vertreter der neonazistischen NDP und FPÖ-Politiker, Ausgabe 2008
Rassistischer "Aula"-Beitrag spricht von "Zigeunerplage" und "chronisch-massivem asozialen Verhalten des 'Fahrenden Volkes'", Ausgabe März 2009
Wiedergabe rassistischer Verschwörungstheorien in der "Aula", Ausgabe Juli 2017
Angst vor der "Abschaffung der Weißen" und der "Schwächung des europiden Elements durch Vermischung" in der "Aula", Ausgabe Oktober 2015
Langjähriges enges Naheverhältnis der früheren und heutigen FPÖ-Führung zur "Aula"
Norbert Hofer posierte noch im Dezember 2016 für ein Werbefoto für die mit Neonazis sympathsierende "Aula"
Unter Herbert Kickls Führung inserierte das FPÖ-Bildungsinstitut mehrfach in der "Aula", hier im Oktober 2016

Der oberösterreichische FPÖ-Obmann Manfred Haimbuchner verfasste einen Leitartikel in der "Aula" und unterstützte das mit Neonazis sympathisierende Magazin mittels Inseratschaltungen
Udo Landbauer bejubelte die "alten Werte" der "Aula" und warb in dem antisemitischen Magazin für ein Liederbuch mit NS-Liedgut
Inserat von Harald Vilimsky in der "Aula" im Dezember 2015
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