SOS Mitmensch-Umfrage: Breiter Wunsch nach Einbürgerung trifft auf hohe Hürden
SOS Mitmensch hat in Österreich lebende Menschen zum Thema Einbürgerung befragt. Mehr als 600 Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft nahmen an der Umfrage teil. Anlass ist die Ankündigung der Bundesregierung, noch heuer eine Staatsbürgerschaftsreform durchführen zu wollen. Die Ergebnisse der Erhebung zeigen einen breiten Wunsch nach Einbürgerung und eine starke Zugehörigkeit zu Österreich. Gleichzeitig werden die bestehenden Einbürgerungshürden von vielen Befragten als sehr hoch wahrgenommen.
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Zugehörigkeit nicht länger verhindern
„Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass die österreichische Politik nicht länger aktiv verhindern sollte, was längst Realität ist: Zugehörigkeit. Es ist ein demokratischer Missstand, dass Menschen, die hier geboren sind oder seit Jahrzehnten hier leben, durch eine ausgrenzende Staatsbürgerschaftspolitik von zentralen Rechten ausgeschlossen werden. Das ist nicht zeitgemäß – und schadet der Zukunft unseres Landes“, erklärt Zeynep Buyraç, Vorsitzende von SOS Mitmensch.
Hier lebende Menschen keine 'Fremde'
SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak verweist auf die starken Heimatgefühle für Österreich, die viele in der Erhebung zum Ausdruck bringen. „Diese Heimatgefühle widersprechen der Erzählung, dass es sich bei hier lebenden Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft um ‚Fremde‘ handelt. Tatsache ist aber auch, dass es bei vielen Frust über die hohen gesetzlichen, bürokratischen und finanziellen Hürden gibt, die den Weg zur Staatsbürgerschaft und zu gleichen Rechten oftmals versperren“, so Pollak.
Aussagen verdeutlichen große Nähe zu Österreich
Drei Zitate von Umfrage-Teilnehmer:innen verdeutlichen die große Nähe zu Österreich:
- „Ich möchte die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben, weil ich hier lebe, arbeite und meine Zukunft in Österreich sehe. Ich möchte vollständig Teil der österreichischen Gesellschaft sein und die gleichen Rechte und Pflichten haben.“
- „Ich lebe schon sehr lange hier, gehe in die Schule, bin Teil der Gesellschaft und möchte mich auch so fühlen. Österreich ist für mich längst schon zu meiner Heimat geworden. Außerdem schätze ich die Werte Österreichs wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und soziale Sicherheit sehr.“
- „Ich möchte die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben, weil ich seit über zwölf Jahren in Österreich lebe und mein Leben hier aufgebaut habe. Österreich ist für mich zu meiner Heimat geworden.“
Zwei Drittel an Staatsbürgerschaft interessiert
An der nicht-repräsentativen Online-Befragung von SOS Mitmensch haben über 600 in Österreich lebende Personen mit Staatsbürgerschaften aus 72 Ländern teilgenommen, davon knapp die Hälfte mit EU-Pass und etwas über die Hälfte mit Nicht-EU-Staatsbürgerschaft. Mehr als zwei Drittel gaben an, die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben zu wollen oder bereits einen Antrag gestellt zu haben.
Wunsch nach gleichen Rechten
Als wichtigste Gründe für das Anstreben der österreichischen Staatsbürgerschaft nannten die Befragten den Wunsch nach gleichen Rechten sowie die Wahrnehmung Österreichs als Heimatland. Weiters genannte Motive sind die berufliche Tätigkeit in Österreich, der Wunsch nach Sicherheit und Reisefreiheit sowie der Gedanke an die Zukunft und Staatsbürgerschaft der eigenen Kinder.
Niedrige Einbürgerungsrate liegt nicht an fehlendem Interesse
Laut Pollak zeige die hohe Bereitschaft zur Einbürgerung, dass die niedrige Einbürgerungsrate in Österreich vielfach nicht am fehlenden Interesse der Betroffenen liege, sondern an den im internationalen Vergleich besonders restriktiven gesetzlichen Regelungen. „Im Jahr 2025 lag die Einbürgerungsrate laut Statistik Austria bei lediglich 0,8 Prozent und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 2,6 Prozent“, so Pollak.
Für EU-Bürger sind restriktive Regeln zur Doppelstaatsbürgerschaft abschreckend
Weniger als ein Fünftel der Befragten gab an, sich unter den derzeitigen Bedingungen nicht einbürgern lassen zu wollen. Insbesondere Personen mit EU-Staatsbürgerschaft nannten die im europäischen Vergleich restriktiven Regeln zur Doppelstaatsbürgerschaft als abschreckend. Als weitere Gründe werden der bürokratische Aufwand, die hohen Kosten und Diskriminierungserfahrungen genannt. SOS Mitmensch hat auch abgefragt, welches aktuell die größten Einbürgerungshürden sind. Am häufigsten genannt wurden die enorme Bürokratie, die langwierigen Verfahren, der restriktive Umgang mit Doppelstaatsbürgerschaften, die hohen Kosten sowie das nachzuweisende Mindesteinkommen.
Wunsch nach Abbau von Hürden - insbesondere für Hiergeborene
Gefragt nach Verbesserungswünschen an die Politik nennen die Teilnehmenden der Umfrage vor allem den Abbau bürokratischer Hürden, die stärkere Anerkennung von Doppelstaatsbürgerschaften und den erleichterten Zugang zur Staatsbürgerschaft für hier geborene Menschen sowie für Personen, die seit vielen Jahren in Österreich leben. Auch eine Reform der Einkommensvoraussetzungen wird vielfach gefordert.
Schritte für fairen Zugang zur Staatsbürgerschaft setzen
SOS Mitmensch unterstützt diese Anliegen. Sie decken sich weitgehend mit den Empfehlungen zahlreicher Expert:innen für einen besseren Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft. „Trotz des jüngsten Anstiegs sind die Einbürgerungszahlen nach wie vor sehr niedrig. Daher wäre es vernünftig und dringend geboten, dass die Politik Schritte setzt, die einen fairen Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft ermöglichen. Österreich sollte nicht länger zu den europäischen Schlusslichtern bei der Einbürgerung gehören“, so Pollak abschließend.
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