„Wir wollen verhindern, dass Familien im Park schlafen müssen“
NACHGEFRAGT. Im Frühjahr schloss die blau-schwarze Landesregierung in der Steiermark eine Notschlafstelle für vertriebene Ukrainer:innen. Einige Betroffene mussten daraufhin auf der Straße übernachten. Christian Taucher, Pressesprecher der Caritas Steiermark, spricht über die Folgen und mögliche Lösungen.
Interview: Milena Österreicher.
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Die Caritas hat in Graz im Auftrag des Landes Steiermark eine Notschlafstelle für vertriebene Ukrainer:innen betrieben. Im Mai hat die blau-schwarze Landesregierung den Vertrag gekündigt. Wie ging es weiter?
Wir haben ein Übergangsquartier mit rund 50 Notbetten betrieben. Im April sind jedoch bis zu 200 Menschen dort untergebracht gewesen, daraufhin mussten wir einen Aufnahmestopp verhängen. Zwei Monate später hat uns die Landesregierung aufgefordert, das Quartier ganz zu schließen. Nach der Schließung gab es immer wieder Phasen, in denen viele Menschen aus der Ukraine in Graz ankamen und den Vertriebenen-Status beantragten. Wegen der Wartezeiten auf ein Grundversorgungsquartier kam es immer wieder vor, dass dann auch Familien für ein paar Tage obdachlos waren.
Warum braucht es ein Notschlafquartier speziell für Ukrainer:innen?
Ukrainer:innen, die vertrieben wurden, haben einen anderen Rechtsstatus als andere Geflüchtete. Sie müssen kein Asylverfahren durchlaufen, sondern warten nach ihrer Registrierung auf eine Zuweisung in ein Grundversorgungsquartier. Das dauert im Schnitt ein bis drei Tage. Für genau diesen Zeitraum gab es unsere Notbetten: für alle, die keine andere Unterkunftsmöglichkeit hatten. Andere Geflüchtete kommen in ein Erstaufnahmezentrum.
Was ist mit den Ukrainer:innen passiert, die nach der Schließung teils auf der Straße gelandet sind?
Einige konnten bei Bekannten oder Freund:innen unterkommen. In der Bahnhofsmission der Caritas haben wir zumindest eine Grundversorgung mit Lebensmitteln sichergestellt. Aber insgesamt ist die Situation sehr unbefriedigend. Gerade im Juli sind wieder mehr Menschen mit kleinen Kindern gekommen.
Wie viele Menschen waren von der temporären Obdachlosigkeit betroffen?
Exakte Zahlen haben wir leider nicht. Aber solange der Krieg andauert, wird es eine Überbrückungsmöglichkeit brauchen, wenn diese Menschen in der Steiermark ankommen.
Warum konnten sie nicht in anderen Einrichtungen untergebracht werden?
Wir haben es versucht, aber die meisten Quartiere sind voll und viele sind für Kinder nicht geeignet. Immerhin konnten wir mit Lebensmitteln und Dolmetschdiensten unterstützen.
Das Büro des zuständigen Landesrats Hannes Amesbauer (FPÖ) hat die Schließung mit hohen Kosten begründet. Die Steiermark müsse jährlich rund 50 Millionen Euro für Menschen aus der Ukraine aufbringen, was in Zeiten der Budgetkonsolidierung nicht tragbar sei. Wie soll es nun weitergehen?
Ohne Unterstützung ist so ein Notquartier für uns derzeit finanziell nicht machbar. Aber es gibt einen Lichtblick: Mehrere Hilfsorganisationen arbeiten gerade gemeinsam daran, Plätze für diese Übergangsphase bereitzustellen. Wir gehen davon aus, dass es bald eine Lösung gibt. Unser Ziel ist klar: Wir wollen verhindern, dass Familien mit kleinen Kindern ein oder zwei Nächte in einem Park, in einem Abbruchhaus oder sonstwo verbringen müssen.
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