„Aula“-Wiederbetätigungs-Urteil rechtskräftig!
Der Schuldspruch gegen den ehemaligen „Aula“-Chefredakteur wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung ist rechtskräftig! Der Oberste Gerichtshof hat die Beschwerde des Verurteilten zurückgewiesen. Damit wurde der Ausgang des von SOS Mitmensch mit einer umfassenden Sachverhaltsdarstellung ins Rollen gebrachten brisanten Prozesses bestätigt.
Schuldspruch trifft auch FPÖ
Der Schuldspruch trifft auch die FPÖ! Es steht nunmehr endgültig fest, dass die FPÖ bewusst oder fahrlässig über viele Jahre an einem nationalsozialistischen Wiederbetätigungsprojekt mitgewirkt hat. FPÖ-Politiker haben die „Aula“ mitbetrieben, finanziell gefördert, bespielt und teilweise auch ausgiebig bejubelt. SOS Mitmensch hat bereits vor einem Jahr die lange Liste der involvierten FPÖ-Personen, von Kickl, Rosenkranz, Kunasek, Haimbuchner, Nepp, Vilimsky und Landbauer abwärts, veröffentlicht.
Keine einzige Stellungnahme
Bislang liegt jedoch keine einzige Stellungnahme durch einen betroffenen FPÖ-Politiker vor. Die steirischen Medien, inklusive dem dortigen ORF, haben es sogar gänzlich unterlassen, online oder im TV über die nunmehrige Rechtskraft des „Aula“-Urteils zu berichten. Dabei war der verurteilte „Aula“-Chefredakteur FPÖ-Politiker in Graz. Und die steirische FPÖ war besonders tief in die „Aula“ verstrickt.
Gefahr für die Demokratie
Das langjährige Mitwirken einer Partei an einem Projekt, das wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verurteilt wurde, ist keine Bagatelle. Die ‚Aula‘ hat nachweislich versucht, Neonazis, Holocaustleugner und wesentliche Teile der Naziideologie, wie Antisemitismus und Herrenrassendenken, wieder salonfähig zu machen. Eine Partei wie die FPÖ, die das aktiv mitbetrieben und gefördert hat, muss als Gefahr für unsere Demokratie gewertet werden.
Auch unter Herbert Kickls Führung inserierte das FPÖ-Bildungsinstitut mehrfach in der mit Neonazis und Holocaustleugnern sympathisierenden "Aula", hier im Oktober 2016
Antisemitismus, Herrenrassendenken und Frauenverachtung
Beachtenswert sei das Umfeld, in dem die FPÖ-Inserate und -Beiträge in der „Aula“ erschienen seien, denn rund um die FPÖ-Politiker hätten Neonazis geschrieben, seien KZ-Überlebende beschimpft worden sowie Antisemitismus, Herrenrassendenken, Frauenverachtung und Demokratiefeindlichkeit propagiert worden, so der SOS Mitmensch-Sprecher. Darüber hinaus seien Nazigrößen verherrlicht und das Verbotsgesetz mehrfach attackiert worden. Durchschnittlich habe die FPÖ im Erhebungszeitraum pro Jahr 13 Inserate in der „Aula“ geschaltet. Höhepunkt sei das Jahr 2015 mit 24 FPÖ-Inseraten gewesen, jenes Jahr, in dem das rechtsextreme Magazin in niederträchtiger Weise KZ-Überlebende attackierte, so Pollak.
FPÖ-Politiker wie Haimbuchner, Strache, Landbauer und viele andere jubelten der mit Neonazis und Holocaustleugnern sympathisierenden "Aula" anlässlich ihres 60 jährigen Jubiläums zu
FPÖ-Liste
SOS Mitmensch hat bereits vor einem Jahr eine Liste der aktiven und ehemaligen FPÖ-Politiker, die die „Aula“ teils mitbetrieben, teils finanziell gefördert, teils bejubelt und beworben sowie teils durch Interview-Auftritte legitimiert haben, veröffentlicht. Dazu zählen unter anderem Herbert Kickl, Walter Rosenkranz, Heinz-Christian Strache, Manfred Haimbuchner, Norbert Hofer, Udo Landbauer, Mario Kunasek, Dominik Nepp, Harald Vilimsky, Hannes Amesbauer, Udo Guggenbichler, Axel Kassegger, Harald Stefan, Georg Mayer, Michael Raml, Martin Graf, Anton Mahdalik, Hubert Keyl und Gerhard Deimek.

Lange Ermittlungen der Justiz nach SOS Mitmensch-Anzeige
Bereits im Dezember 2018 hatte SOS Mitmensch Anzeige gegen den Chefredakteur der „Aula“ eingebracht und der Grazer Justiz ein 300-Seiten dickes Dossier über den Wiederbetätigungsverdacht übermittelt. Darin wurde akribisch aufgelistet, wie das rechtsextreme Magazin Neonazis auftreten ließ, Holocaustleugner hofierte sowie Antisemitismus und Herrenrassendenken verbreitete. So sei in der „Aula“ etwa vor einer „Judaisierung der Welt“ und vor „Rassenmischung“ gewarnt worden. Ehemalige Nazikämpfer hätten in der „Aula" ein Sonderlob erhalten, wenn sie auch nach 1945 im rechtsextremen und neonazistischen Milieu aktiv geblieben waren, wohingegen KZ-Überlebende wiederholt diffamiert und verunglimpft worden seien. Im Juni 2018 wurde die „Aula“ eingestellt. Ein 2019 unter Beteiligung von FPÖ-Politikern unternommener Versuch, das Magazin wiederzubeleben, scheiterte an erneuten öffentlichen Protesten.
300 Seiten dickes "Aula"-Dossier von SOS Mitmensch mit mehr als 200 Belegartikeln zum Verdacht der NS-Wiederbetätigung wurde an die Staatsanwaltschaft Graz versendet
"Aula" wollte Neonazis und Naziideologie salonfähig machen
„Unsere Analyse zeigt, dass die „Aula“ systematisch darauf hingewirkt hat, Neonazis und wesentliche Teile der Naziideologie in Österreich wieder salonfähig zu machen“, erklärt Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch, den Hintergrund der Anzeige im jahr 2018. Das betreffe etwa das Propagieren von Antisemitismus und Herrenrassendenken, die Verteidigung von Holocaustleugnern und Neonazis, die Verehrung von Nazikämpfern, die Verunglimpfung von KZ-Überlebenden, die Übernahme von Nazivokabular und das massive Bewerben von antisemitischer und geschichtsrevisionistischer Literatur, so Pollak.
Verunglimpfung von KZ-Überlebenden in der "Aula", Ausgabe Juli/August 2015
Verherrlichung von NS-Symbolik und Loblied auf das von Nationalsozialisten eingeführte Mutterkreuz in der "Aula" - ohne ein einziges kritisches Wort über den Nationalsozialismus, Ausgabe Jänner 2014
"Aula"-Jubelartikel über Nazi-Fliegerhelden, der auch nach 1945 noch im rechtsextremen und neonazistischen Milieu verkehrte, Ausgabe Jänner 2013
Wohlwollendes "Aula"-Gedenken an Mitgründer der später wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verbotenen NDP, Ausgabe Oktober 2012
„Aula“ sieht im Neonazi und verurteilten Holocaustleugner Gerd Honsik einen „Dissidenten“, der wegen „Meinungsdelikten“ verurteilt wurde, Ausgabe September 2011
Antisemitismus, rassistisches Vokabular und die Warnung vor der "Rückkehr des Jüdischen" in der "Aula", Ausgabe März 2014
"Aula" über "Judaisierung der Welt" und den "Antichristen", Ausgabe Dezember 2015
"Aula" gratuliert dem Holocautsleugner David Irving, Ausgabe März 2008
"Aula" zitiert wohlwollend einen Rassisten, der behauptet, dass "die Frau gegenüber dem Mann" und "manche Rassen gegenüber anderen" ein "untergeordneter" bzw. "nachgeordneter Teil" seien, Ausgabe Februar 2017
"Aula" warnt vor "Völkermord" durch "Rassenmischung", Ausgabe Dezember 2015
Bezeichnung von Integration als "Völkermord" in der "Aula", Ausgabe April 2008
"Aula" macht Doppelinterview mit Vertreter der neonazistischen NDP und FPÖ-Politiker, Ausgabe 2008
Rassistischer "Aula"-Beitrag spricht von "Zigeunerplage" und "chronisch-massivem asozialen Verhalten des 'Fahrenden Volkes'", Ausgabe März 2009
Wiedergabe rassistischer Verschwörungstheorien in der "Aula", Ausgabe Juli 2017
Angst vor der "Abschaffung der Weißen" und der "Schwächung des europiden Elements durch Vermischung" in der "Aula", Ausgabe Oktober 2015
Langjähriges enges Naheverhältnis der früheren und heutigen FPÖ-Führung zur "Aula"
Norbert Hofer posierte noch im Dezember 2016 für ein Werbefoto für die mit Neonazis sympathsierende "Aula"

Der oberösterreichische FPÖ-Obmann Manfred Haimbuchner verfasste einen Leitartikel in der "Aula" und unterstützte das mit Neonazis sympathisierende Magazin mittels Inseratschaltungen
Udo Landbauer bejubelte die "alten Werte" der "Aula" und warb in dem antisemitischen Magazin für ein Liederbuch mit NS-Liedgut
Inserat von Harald Vilimsky in der "Aula" im Dezember 2015
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