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07. Mär. 2026

Besser ohne Zwang

NACHGEFRAGT. Ab diesem Jahr ist die Sommerschule für Schüler:innen mit Deutschförderbedarf verpflichtend. Was sie bringen kann, erklärt Sandra Reitbrecht vom Österreichischen Verband für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (ÖDaF) und Professorin für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bamberg.

 

Interview: Milena Österreicher.

Ein Beitrag im neuen MO - Magazin für Menschenrechte.

 

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ÖDaF und das Netzwerk SprachenRechte kritisierten in einer Stellungnahme die Verpflichtung zur Sommerschule. Was stört Sie daran?

Grundsätzlich ist jede zusätzliche Maßnahme im Bildungsbereich positiv. Problematisch ist die Verpflichtung. Sie birgt ein hohes Risiko der Stigmatisierung für die betroffenen Kinder ebenso wie für ihre Familien. Hinzu kommen praktische Hürden: Öffentliche Verkehrsmittel fahren im Ferienfahrplan seltener, was besonders im ländlichen Raum lange Anfahrtswege bedeutet. Viele Familien nutzen die Ferienzeit für Verwandtschaftsbesuche, oft im Ausland, was nun eingeschränkt wird.

 

Politisch wird die Verpflichtung mit Deutschförderung argumentiert. Was können zwei Wochen bewirken?

Es kann höchstens ein kleiner Baustein sein. Sprachaneignung im bildungssprachlichen Bereich ist ein langfristiger Prozess. Es geht um komplexe Kompetenzen wie Fachsprache, Wortschatz und Textverständnis. Das steht im Widerspruch zu den hohen Erwartungen, die politisch an dieses Format geknüpft werden. Zudem gibt es bislang keine wissenschaftliche Evaluation, die belegt, welche messbaren Lernfortschritte die freiwillige Sommerschule brachte.

 

Was wäre für Lernfortschritte nötig?

Aus der Forschung wissen wir, dass Motivation, die Beziehung zur Lehrperson und passende Rahmenbedingungen entscheidend sind. Das ist in verpflichtenden Sommerschulen nicht automatisch gegeben. Die Idealvorstellung wäre, dass ein Kind mit jener Lehrkraft arbeitet, die es auch im kommenden Schuljahr unterrichtet. Dann ließe sich von einem „sanften Ankommen“ im Schuljahr sprechen. In der Praxis treffen die Kinder häufig auf fremde Lehrpersonen und neue Gruppen, in denen sie sich für zwei Wochen zurechtfinden müssen. Für viele, besonders für jüngere Volksschulkinder, ist das emotional und sozial sehr herausfordernd.

 

Welche Rolle spielt die Qualifikation der Lehrkräfte?

Eine zentrale: Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache erfordert spezifisches Fachwissen, etwa in Diagnostik, differenzierter Förderung und im Umgang mit Mehrsprachigkeit. Zwar kann es hochqualifizierte Lehrpersonen in der Sommerschule geben, doch derzeit ist das nicht flächendeckend gewährleistet.

 

Die verpflichtende Sommerschule kostet fünf Millionen Euro zusätzlich. Wo wäre dieses Geld besser investiert?

Sinnvoller wäre es, die Mittel in den regulären Schulbetrieb zu investieren. Mehr qualifiziertes Lehrpersonal ist hier das A und O. So ließe sich Deutschförderung flexibler und integrativer gestalten: direkt im Unterricht und angepasst an heterogene Lerngruppen. Das wäre nachhaltiger als einzelne Kinder in den Ferien herauszuholen.

 

Gibt es Kinder, für die Sommerschulen dennoch sinnvoll sein können?

Ja, wenn sie freiwillig, gut aufbereitet und in einem vertrauten Rahmen stattfinden. Ich kenne Schulen, in denen Lehrkräfte ihre Klassen freiwillig eine Woche früher eingeladen haben – mit sehr positiven Erfahrungen.

 

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