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27. Nov. 2025

SOS Mitmensch-Bericht: So können Mädchen tatsächlich gegen patriarchale Einflüsse gestärkt werden

SOS Mitmensch hat Schuldirektorinnen sowie Expertinnen aus der Mädchenarbeit befragt, wie Mädchen wirksam gegen patriarchale Strukturen und Rollenverständnisse gestärkt werden können. In einem 35-seitigen Bericht nennen die Expertinnen mehr als ein Dutzend effektive Maßnahmen und fordern von der Politik eine verstärkte Unterstützung ein. Das geplante Kopftuchverbot sehen die Expertinnen hingegen nicht als Hilfe zur Stärkung von Mädchen, sondern sie befürchten kontraproduktive Effekte.

 

Expert:innen-Bericht "Wie Mädchen stärken?" zum Herunterladen (PDF)

 

Politik sollte genau zuhören

„Es ist beeindruckend, mit welcher Klarheit die Expertinnen, die tagtäglich mit Mädchen arbeiten, darlegen, wie Mädchen gestärkt werden können. Sie haben eine Vielzahl an wirkungsvollen Tools für mehr Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein von Mädchen auf den Tisch gelegt und nennen Forderungen für weitere Verbesserungen. Die Politik müsste eigentlich nur genau zuhören und dementsprechend handeln, anstatt Maßnahmen zu setzen, die von den Mädchen-Expertinnen als fragwürdig oder sogar kontraproduktiv erachtet werden“, so Alexander Pollak, Sprecher der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch.

 

Expertinnen nennen praxisbewährte Tools 

An der Befragung von SOS Mitmensch haben drei Direktorinnen von Schulen, die zu den innovativsten Schulen Österreichs gehören, teilgenommen. Ebenso haben sich vier leitende Expertinnen aus der sozialarbeiterischen Mädchen- und Frauenarbeit beteiligt. Zusammen haben sie mehr als ein Dutzend Aktivitäten und Tools auf den Tisch gelegt, die sie bereits jetzt erfolgreich an ihren Standorten einsetzen, um Kinder und Jugendliche in ihrer Selbstbestimmung zu stärken und patriarchalen Rollenverständnissen entgegenzuwirken. Zu diesen praxisbewährten Tools zählen zum Beispiel:

  • die partizipative Erstellung von Klassenordnungen gemeinsam mit den Kindern,
  • die projektbezogene und zeitlich befristete Trennung von Mädchen und Burschen,
  • die Einführung eines Fachs „Kommunikation, Kooperation und Konfliktbearbeitung“,
  • die Zusammenarbeit mit inspirierenden Role-Models,
  • die Abhaltung von schulinternen Elternseminaren sowie
  • Workshops von Mädchenberatungsstellen an Schulen.

Zahlreiche Verbesserungen notwendig

Darüber hinaus weisen die Expertinnen auf zahlreiche notwendige Verbesserungsmaßnahmen zur Stärkung von Mädchen hin. Dazu zählen etwa:

  • die Schaffung eines integrativen statt segregierenden Bildungssystems,
  • die Verankerung eines verpflichtenden gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Kinder,
  • mehr sozialarbeiterisches und psychologisches Unterstützungspersonal an Schulen,
  • die nachhaltige Finanzierung von schulexternen Mädchen-Einrichtungen,
  • die stärkere Auseinandersetzung mit Gleichbehandlung und Gewaltschutz an Bildungseinrichtungen,
  • mädchen- und burschenspezifische Angebote und Räume,
  • Verbesserungen bei der Ausbildung der Lehrer:innen sowie
  • klare und transparente Schulregeln unter dialogischer Einbindung von Schüler:innen und Eltern.

Kopftuchverbot keine Hilfe

Das von der Regierung beschlossene Kopftuchverbot wird demgegenüber von den befragten Expertinnen nicht als Hilfe zur Stärkung von Mädchen gesehen, sondern als problematisch oder sogar kontraproduktiv erachtet. Die Schuldirektorinnen und Mädchen-Expertinnen befürchten, dass die allein auf muslimische Mädchen ausgerichtete Verbotsmaßnahme die Vertrauensbeziehung zwischen Kindern und Pädagog:innen stören und Rückzug und Isolation befördern könne. Gerade bei jenen Mädchen, auf die von ihrem Umfeld religiös-patriarchaler Druck ausgeübt werde, könnte das Kopftuchverbot besonders negative Auswirkungen haben, so die Einschätzung der Mädchen-Expertinnen.

 

Politik soll Expertinnen ernst nehmen und unterstützen

„Wir können die Politik nur eindringlich aufrufen, die Einschätzungen und Verbesserungsvorschläge der zum Teil preisgekrönten Expertinnen bezüglich der Stärkung von Mädchen ernst zu nehmen und sie zu unterstützen“, fordert SOS Mitmensch-Sprecher Pollak Gespräche der Politik mit den Expertinnen ein. SOS Mitmensch wird den Expertinnen-Bericht an die Politik und auch an Bildungseinrichtungen schicken, um einen Beitrag zur Verbreitung und Umsetzung der zahlreichen Tools und Vorschläge zum Durchbrechen patriarchaler Rollenverständnisse zu leisten.

 

Dank an die Expertinnen

SOS Mitmensch dankt der Direktorin der Offenen Volksschule am Kaisermühlendamm, Petra Feldhofer-Mahmoudian, der Direktorin der Modularen Mittelstufe Aspern, Doris Pfingstner, der Direktorin der Mittelschule Währing, Erika Tiefenbacher, der Geschäftsführerin des Vereins Amazone, Angelika Atzinger, der Geschäftsführerin des Vereins Peregrina, Katharina Echsel, der Geschäftsführerin des Vereins sprungbrett für Mädchen* und junge Frauen*, Martina Fürpass, sowie der Teamleiterin des *peppa Zentrums für Mädchen* und junge Frauen*, Lucia Rosati, für die Teilnahme an der Befragung.

 

 

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