Ramadan for Dummies
SERVUS ALAYKUM. Einblicke in das (Er-)Leben der österreichischen Gesellschaft aus Sicht einer Wiener Muslima. Mit dunkelbuntem Humor und feurigem Temperament, aus dem Herzen Österreichs.
Kolumne: Menerva Hammad.
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Schon im letzten Volksschuljahr begann ich, im Ramadan zu fasten. Er war für mich von Anfang an eine faszinierende, spirituelle Zeit im Jahr, auf die viele Muslim:innen warten. Ramadan ist wie ein Freund, der einmal im Jahr Familie und Freund:innen an einen Tisch bringt. Bei Köstlichkeiten, mit Liebe zubereitet, und herzlichen Gesprächen läuft einem das Wasser im Mund zusammen, sobald es draußen dunkel wird.
Damals war das noch unspektakulär, da dies zu Zeiten war, in denen ein regulärer Schultag maximal bis 14 Uhr dauerte. Heute sieht das anders aus: Die meisten Schulen bieten Nachmittagsbetreuung an, Schüler:innen essen oft in der Schule zu Mittag, und wenn man dies einen ganzen Monat lang nicht tut, fällt das negativ auf. Sonst ist es fast egal, welches Kind speist oder hungrig dasitzt, aber im Ramadan nicht – da ist die Fürsorge extra groß. Man kümmert sich besonders gut um die muslimischen Kinder – dafür ist Österreich bekannt.
Früher nahm man sich kein Blatt vor den Mund und sagte direkt, dass Fasten ungesund sei, dass es Allah nicht gebe und daher jegliche Fastenart obsolet sei. Heute ist man etwas klüger, denn in Zeiten der Political Correctness möchte man nicht als Rassist:in abgestempelt werden. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen, dass Fasten ungesund ist …
Keine Frage, das Kindeswohl muss im Mittelpunkt stehen. Dazu hätte ich allerdings ein paar Fragen: Wie geht es genau denselben Kindern eigentlich den Rest des Jahres? Sind das nicht jene Kinder, die man hier gar nicht haben möchte und dies bei jeder Gelegenheit medial klar zu verstehen gibt? Sind das nicht auch jene Kinder, deren Familiennachzug man gestoppt hat? Sind das nicht jene Kinder, die man in Deutschförderklassen gestopft hat – und das ohne Lehrpersonen mit ihrer Erstsprache, wie es zum Beispiel 2022 bei ukrainischen Geflüchteten in Wien der Fall war?
Vor zwanzig Jahren waren Kinder wie wir der Gesellschaft genauso egal wie die Kinder von heute. Heute wird lediglich mehr darüber berichtet: damit die Stimmung passt, Verbote und Kürzungen reibungsloser durchgehen und weil man sich vehement dagegen wehrt, Lebenskonzepte zu akzeptieren, die dem eigenen nicht gleichen.
Man kann fastende Kinder und Jugendliche übrigens gut in den Schulalltag integrieren: leichtere Parcours aufbauen, Lehrausgänge einplanen, statt praktischem Kochen Theorie machen, an die frische Luft gehen und dennoch guten Unterricht halten. Man kann sie fragen, was sie brauchen, warum sie das so motiviert machen, obwohl sie es nicht müssen und die Eltern eigentlich nicht wollen, dass sie in der Schule fasten. Man könnte auch selbst ausprobieren, wie es ist zu fasten – dann wüsste man aus erster Hand, was fastende Menschen dem Sozial- und Gesundheitssystem ersparen. Das Problem liegt jedoch weder am Fasten noch an den fastenden Kindern, sondern an einem gescheiterten Zusammenleben. Denn schon das Zusammenkommen wurde nie richtig eingeleitet – stattdessen werden oft gezielt Räume geschaffen, um genau das Gegenteil zu bewirken. Solange wir das zulassen, wird auch keine Veränderung stattfinden.
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