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02. Mär. 2015

83% der Medienberichterstattung über Tschetschenen in Österreich negativ

Eine Untersuchung von SOS Mitmensch zur Medienberichterstattung über Tschetschenen hat ergeben, dass großteils ein negatives Bild vermittelt wird. Obwohl an die 30.000 Menschen tschetschenischer Herkunft in Österreich leben, wird fast ausschließlich über jene Minderheit an Personen berichtet, die durch Kriminalität und Dschihadismus auffallen. Die Vielfalt der tschetschenischen Gesellschaft findet nur in wenigen Beiträgen Erwähnung. Tschetschenen kommen kaum selbst zu Wort.

 

Negativthemen dominieren

SOS Mitmensch hat die Berichterstattung der Online-Ausgaben von „Standard“, „Kleine Zeitung“, „Wiener Zeitung“ und „Kurier“ im Jahr 2014 untersucht. Von 179 Artikeln, in denen Personen tschetschenischer Herkunft Erwähnung fanden, waren 83% thematisch negativ besetzt, 16% neutral und nur 1% positiv. Während Themen wie Kriminalität, Dschihadismus, soziale Konflikte und Abschiebungen dominieren, gab es nur selten Hintergrundberichte über das Leben von Tschetschenen in Österreich. In den untersuchten Artikeln kamen Personen tschetschenischer Herkunft selbst kaum zu Wort. Dass es in Österreich fast keine staatlichen Beratungs- und Unterstützungsprogramme für Menschen, die aus Kriegsregionen fliehen mussten, gibt, wurde nur vereinzelt thematisiert.

 

Mehrheit der Tschetschenen bleibt unsichtbar

„Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass die Medienberichterstattung lediglich einen kleinen Ausschnitt der Lebensrealität von Menschen tschetschenischer Herkunft wiedergibt. Es dominieren Berichte über Negativereignisse. Die große Mehrheit der Tschetscheninnen und Tschetschenen, die nichts mit Kriminalität zutun haben, bleibt unsichtbar und läuft Gefahr in den Sog der Negativberichterstattung mit hineingezogen werden“, so Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch. Pollak betont, dass es wichtig sei, dass Medien Probleme aufgreifen, zugleich sei es aber auch Aufgabe der Medien, ein differenziertes Bild zuzulassen und Pauschalurteile über Menschen allein aufgrund ihrer Herkunft klar zurückzuweisen.

 

Gemeinsam an der Zukunft arbeiten

„Jeder einzelne Fall, wo jemand in Richtung Kriminalität oder Fundamentalismus abdriftet, ist einer zu viel. Abzulehnen ist aber auch jeder einzelne Fall von Generalisierungen und Hetze allein aufgrund der Herkunft von Personen. Die politischen Kampagnen, in denen etwa ein „tschetschenenfreies Kärnten“ propagiert wurde oder alle Tschetschenen pauschal als „gefährlich“ gebrandmarkt wurden, sind scharf zu verurteilen. Die Menschen tschetschenischer Herkunft, die hier leben, sind Teil der Zukunft unseres Landes. An dieser Zukunft gilt es gemeinsam zu arbeiten“, betont Pollak.

 

Menschenrechtspreis für Projekte mit Flüchtlingen

Am 3. März verleiht SOS Mitmensch den Ute-Bock-Preis für Zivilcourage an den Kärntner Siegfried Stupnig für seinen Einsatz für die Lebensperspektiven von tschetschenischen Flüchtlingen in Österreich. Darüber hinaus wird die Wiener Initiative „Flucht nach vorn“ für Ihre Arbeit mit jugendlichen Flüchtlingen ausgezeichnet. Preisreden werden vom Journalisten Ari Rath, der Autorin Julya Rabinowich und der Filmemacherin Nina Kusturica gehalten. Die Flüchtlingshelferin Ute Bock wird die mit 5.500 Euro dotierten Preise im Wiener Rathaus überreichen. Die Dotierung wurde von Ingrid und Christian Reder sowie der Familie Grolitsch gespendet.

 

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